19. April 2018

zwischen sauerstoffgeaet und hoffnungSeit drei Jahren muss Magit Kartz künstlich beatmet werde. Ihr Mann Reinhold besucht sie jeden Tag in der Wohngemeinschaft im Gesundheitszentrum in Neuerburg. Foto: Stefanie Glandien FOTO: TV / Stefanie Glandien

Neuerburg. Im Gesundheitszentrum in Neuerburg gibt es seit Dezember 2017 eine Wohngemeinschaft für Menschen, die auf Intensivpflege angewiesen sind. Das Zusammenleben ist trotz klinischer Apparaturen familiär und individuell. Von Stefanie Glandien

Die Wände sind in hellem Gelb gestrichen, im Flur verbreitet eine Stehlampe gedämpftes Licht. Romeo, ein kleiner Yorkshire-Terrier flitzt über den Flur. Nur ein Wagen mit sieben weißen Sauerstoffflaschen lässt ahnen, dass es sich in der ersten Etage des Gesundheitszentrums (GHZ) in Neuerburg doch nicht um eine ganz normale Wohngemeinschaft (WG) handelt.

Jede Minute holt ein Erwachsener  zwölf bis 18 Mal Luft, Kinder zwei- bis dreimal so oft. Doch was passiert, wenn einem das Atmen schwerfällt, wenn man es infolge einer Erkrankung von selbst nicht mehr kann?

In Neuerburg bietet seit Dezember der RR-Pflegedienst mit Sitz in Jünkerath im GHZ Intensivpflege für schwerstkranke Menschen an – mit besonderem Fokus auf außerklinische Beatmung. Früher waren im ehemaligen Krankenhaus auf der ersten Etage intensiv zu pflegende Patienten stationär in der sogenannten „Phase F“ untergebracht. Doch der RR-Pflegedienst geht einen anderen Weg.

„Wir haben ein besonderes Konzept, bei dem die Menschen in  einer Wohngemeinschaft zusammenleben, wo wir sie 24-Stunden intensivmedizinisch betreuen“, sagt Philipp Rinas, Assistent der Geschäftsführung des RR-Pflegedienstes. In dieser Konstellation sei so ein Angebot in der Eifel bislang einzigartig, sagt Rinas. Ähnliche Wohnformen gebe es in der weiteren Umgebung im Raum Euskirchen, Köln, Bonn und Koblenz.

Un das ganze funktioniert so: Die Wohnpflegegemeinschaft Neuerburg hat beim Gesundheitszentrum 750 Quadratmeter Fläche in der ersten Etage angemietet. Die Bewohner mieten wiederum bei der Pflegegemeinschaft ein Zimmer mit Bad. Dieses können sie nach ihrem Geschmack gestalten und zum Beispiel eigene Möbel aufstellen. Der Träger koordiniert alles andere: Pflege, Therapie, ärztliche Versorgung, Friseur, Fußpflege und vieles mehr.

Für die Bewohner fallen nur Kosten an für die Zimmermiete von 720 Euro. Den Rest übernehmen die Krankenkassen, vorausgesetzt es gibt eine ärztliche Verordnung.  Zwölf Plätze gibt es, sechs sind derzeit belegt. Der jüngste Bewohner ist Anfang 30, der älteste über 90 Jahre alt. Die Krankengeschichten der bisher zu Versorgenden sind alle unterschiedlich. Manche sind an der Lunge erkrankt, am Nervensystem, leiden an Muskelschwund, liegen im Wachkoma oder haben knapp einen Auto- oder Motorradunfall überlebt.

Die Bewohner werden nicht nur künstlich beatmet sondern auch 24 Stunden am Tag überwacht. „Ständig in Alarmbereitschaft zu sein, bringt die Angehörigen bei der Pflege zu Hause oft an ihre Grenzen. Die Kranken können an ihrer eigenen Spucke ersticken, wenn man diese nicht rechtzeitig absaugt“, sagt Rinas. In Neuerburg gebe es für drei bis vier Bewohner eine Fachkraft. Auch nachts ist immer jemand da. So haben auch die Angehörigen wieder Zeit zum Durchatmen.

Wie in einer richtigen WG gibt es eine Gemeinschaftsküche, einen Aufenthaltsraum und ein Wohnzimmer. Dort stehen eine große Sitzlandschaft, ein Couchtisch und es gibt einen Fernseher. Man kann zwanglos zusammensitzen und sich auch mit anderen Angehörigen unterhalten. „Es wurde schon gefragt, ob wir die Fußballweltmeisterschaft zusammen gucken sollen“, sagt Manuela Heimann, Ansprechpartnerin der Bewohner vor Ort. Ihr ist es wichtig, ein familiäres Umfeld zu schaffen. So sind auch Haustiere erlaubt.

Jeden Tag besucht Reinhold Kartz seine Frau Margit. Seit drei Jahren muss sie künstlich beatmet werden. Eine bakterielle Infektion hat ihre Nerven angegriffen. Alleine atmen kann sie nicht mehr. Mit der Pflege seiner Frau in Neuerburg ist er sehr zufrieden. Und andersherum ist der rührige Rentner auch beim Pflegepersonal äußerst beliebt. „Herr Kartz ist unsere gute Seele“, sagt Manuela Heimann.

In den vergangenen fünf Monaten sind zwei Bewohner auch wieder so weit genesen, dass sie in ihr Zuhause zurückkehren konnten.  „Das ist hier keine Endstation. Es ist unser erklärtes Ziel, Menschen wieder fit zu bekommen“, sagt Rinas.

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